1919 bis 2009

Rückblick 90 Jahre Pfeifenclub Otter  von Bernd Gätjens vom Mai 2009

Im Jahre 1919 – kurz nach Ende des 1. Weltkrieges war Otter ein kleines Heidedorf mit überwiegend landwirtschaftlichem Charakter.
Fast alle  Einwohner waren Landwirte oder Nebenerwerbs-Landwirte. Es gab viele Knechte auf den Höfen und Gesellen bei den Handwerksbetrieben.

Am ersten Donnerstag im April 1919 rief der Holzknecht Heinrich Fehling alle jungen Männer aus Otter, die mind. 18 Jahre alt waren, zu einer Zusammenkunft in „Trumpen’s Gasthaus“ ein.

An diesem Abend wurde der Pfeifenclub „BLAUER DAMPF“ in Otter gegründet.

Es hab in der Umgebung mehrere derartige Zusammenschlüsse, die sich aus einer sehr alten Tradition, dem „Tabakskollegium“ entwickelte.

Geschichtlicher Hintergrund zum Tabakskollegium:

"Erst der Sohn König Friedrichs I., Friedrich Wilhelm I., machte das Tabakskollegium zum festen Bestandteil des Lebens am preußischen Hof in Berlin. Im Kreis von Vertrauten genoss der „Soldatenkönig“ es, wenn man abends recht zwanglos eine Ton- oder Meerschaumpfeife rauchte, über das Tagesgeschehen und andere Themen diskutierte oder sich mit Spielen und Späßen amüsierte. Zu dem Kreis gehörten Minister, Offiziere, Wissenschaftler und Adlige wie Leopold von Dessau."
  (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Tabakskollegium)
 Jeder unverheiratete und unbescholtene Mann mit Wohnsitz in Otter konnte dem neuen Verein beitreten.

Die ersten Satzungen (Statuten) von 1919 lauteten (Auszüge)

  • Sinn und Zweck des Vereins ist die Förderung der Geselligkeit und die Erhaltung der alten Sitten und Gebräuche
  • Sitz und Versammlungsort in „Trumpen’s Gasthaus in Otter (Meyer’s Gasthaus Inh. Chr. Meyer)
  • Der Vorstand besteht aus dem 1. Vorsitzenden, dem Kassierer und dem Schriftführer
  • Die Zusammenkünfte erfolgen an jedem ersten Donnerstag im Monat. Einmal im Jahr findet eine Generalversammlung statt.
  • Es werden Beiträge und Strafgelder festgelegt: Der Beitrag pro Mitglied beträgt 20 Pfennig, bei unentschuldigtem Fehlen auf der Monatsversammlung zusätzlich 10 Pfennig. Das Beitrittsgeld wird auf 50 Pfennig festgelegt.
  • Clubmitglied kann jeder Junggeselle sein, der seinen Wohnsitz in Otter hat und mind. 18 Jahre alt ist. Wer sechsmal hintereinander fehlt wird  aus dem Club ausgeschlossen. Ein Wiedereintritt ist nicht mehr möglich.
    Da es sich um einen reinen Junggesellenclub handelt, wird das Mitglied nach der Hochzeit beschenkt und in Ehren aus dem Club entlassen.

Diese Daten und Fakten wurden von unserem Ehrenmitglied Heinrich Lohmann zusammengetragen.

Ein weiterer – vielleicht auch wesentlicher Grund – dieser Vereinsgründung ist heute schnell nachzuvollziehen: Nach den schlimmen Kriegsgeschehen soll wieder gefeiert werden.

Heinrich Lohmann schreibt dazu:

Es wurden Beschlüsse gefasst, wie und was gefeiert werden soll:
Zur Erhaltung der alten Sitten und Gebräuche soll es im Jahr viel Tanzveranstaltungen geben:
Im Winter eine Preismaskerade, einen Frühlingsball im Mai, einen Sommernachtsball im Juli und ein Erntefest im Herbst. Jede Veranstaltung musste bei der Gemeinde angemeldet und vom Landratsamt genehmigt werden. Für jede Veranstaltung musste Vergnügungssteuer entrichtet werden.
Die Musik zum Tanz machte die Tostedter Putzbüdel-Kapelle.

Jedes Mitglied sollte als äußeres Zeichen eine Vereinsnadel in den Farben rot – weiß – schwarz mit zwei gekreuzten Pfeifen tragen. Dieses Symbol ist bis zum heutigen Tage unser Wappen.

Zum Rauchen auf den Versammlungen wurden lange Jägerpfeifen mit Porzellankopf angeschafft. Ein Exemplar ist bis heute erhalten geblieben und hängt  im Clubraum des Gasthof Gerlach in Otter.

In den monatlichen Versammlungen wurden die Mitglieder begrüßt, die Beiträge und Strafgelder kassiert und ins Kassenbuch eingetragen. Der Vorsitzende erläuterte Neuigkeiten die den Verein betrafen und es wurde diskutiert. Nach der Sitzung wurde geraucht, geklönt und sicher noch ein paar Bier getrunken. Dieses hat sich im Grunde bis zum heutigen Tage nicht geändert.

Die „goldenen Zwanziger“ waren geprägt von Inflation und Arbeitslosigkeit. Auszug aus einen altem Protokoll: „Der Eintritt für den Sommernachtsball betrug im Juli 1923 pro Person 200.000,– Mark. Der Beitrag des Vereins wurde 1923 auf den Wer eine Hühner-Eis festgelegt, dieses kostete im Nov. 1923 schon 42.000,– Mark. Dennoch hatten unsere Vorfahren bis in die 30er Jahre schöne gemeinsame Vereinserlebnisse.

Mit Ausbruch des 2. Weltkrieges ruhten die Aktivitäten des Clubs. Viele Männer aus Otter verloren im Krieg ihr Leben – noch heute gedenken wir zum Volkstrauertag am Denkmal in Otter unseren gefallenden Mitgliedern und legen ihnen zu Ehren einen Kranz nieder.

Heinrich Lohmann schreibt weiter: Nach der Währungsreform 1948 … hatte das Leben wieder einen Sinn… So kam der Gedanke nach Wiederaufnahme der Aktivitäten des Pfeifenclubs auf.

Heinrich Schröder, der dem Verein  schon vor dem Krieg angehörte und Rudolf Heins riefen im April 1949 alle Männer über 18 mit Wohnsitz in Otter auf, zu einer Versammlung zu kommen – der Anstoß zur  Wiedergründung unseres Vereins.

Die ursprünglichen Statuten bilden noch heute die Basis unseres Vereins, wenn diese auch dem Zeitgeist folgend laufend verändert wurden. So durften 1949 auch verheiratet Männer eintreten
Der Grundsatz, einmal in sechs Monaten auf einer Versammlung zu erscheinen ist aber z.B. bis heute geblieben.

Drei besondere Merkmale prägten den Verein über viele Jahre:

  • Die „Fahrt ins Blaue“
  • Die (Preis-)Maskerade
  • Das Pfeife –Rauchen

Die Fahrt ins Blaue
1949 gab es gerade mal 2 Autos in Otter, von den jüngeren Mitgliedern war kaum einer aus Otter herausgekommen. So beschloss der Vorstand 1949 eine Ausfahrt mit dem Bus-Unternehmer Johannsen aus Hollenstedt und seiner „Dorfschwalbe“ (eine alter Omnibus). Am letzen Sonntag im Juli mit dem Ziel „Holsteinische Schweiz“. Es muss für unsere Mitglieder und Frauen etwas ganz besonderes gewesen sein: das erste Mal aus Otter herauskommen; vielleicht die erste Dampferfahrt in ihrem Leben; das erste Mal die Ostsee sehen… Für uns heute nicht mehr nachvollziehbar – für die damaligen Mitglieder ein unvergessliches Erlebnis.
Noch heute fährt der Pfeifenclub mit seinen Mitgliedern alle 2 Jahre „ins Blaue“, zum Teil auch über 2 Tage.

(Preis-)-Maskerade
Bereits seit Gründung im Jahre 1919 wurden Maskeraden abgehalten. Dies diente einerseits der Geselligkeit, anderseits aber auch den „alten Sitten und Gebräuchen“, mit der Verkleidung und dem Mummenschanz die bösen Geister des Winters zu vertreiben. Die Masken und Kostüme wurden alle selbst gemacht bzw. geschneidert. Gegen 22.30 war die sog. „Demaskierung“ und es gab Geldpreis (daher auch der Name PREIS-Maskerade).
Im Jahre 1960 wurde beschlossen, eine Kindermaskerade abzuhalten, auf Anhieb ein voller Erfolg. Noch heute veranstaltet der Pfeifenclub die Kindermaskerade, im Jahre 2010 zum 50sten Mal – und kommen die Eltern und Großeltern mit ihren Kindern, die früher selbst als „Kleine“ dabei waren.

Nach einigen Jahren kamen einige Mitglieder abends nach der Kindermaskerade auf die Idee, es war sicherlich etwas Alkohol im Spiel, sich für den nächsten Tag (es war dann Rosenmontag) wiederum abends zu verabreden es war im Jahre 1965. Es dauerte nicht lange, bis 2 (wohl angeheiterte) Mitglieder (Heinrich Lohmann und Helmut Gerlach) etwas vortragen wollten – man kannte ja aus dem Fernsehen die Karnevalssendungen. Kurzum wurde ein Tisch umgedreht es man hatte eine „Bütt“ – aus der dann einiges zum Besten gegeben wurde. Die Stimmung war bestens und man schlug vor, dieses im nächsten Jahr zu wiederholen. Gesagt – getan: Nach einigen Jahren sprach es sich herum, in Otter würde „Rosenmontag“ gefeiert – fernab von den Hochburgen wie Mainz, Köln oder Düsseldorf.
Also zog man 1969 anlässlich des 50sten Bestehens auf den großen Saal vom Gasthaus Ahrens (immer noch unser Vereinslokal, aber seit 1961 unter der Leitung von Olli und Wilhelm Ahrens), machte die Veranstaltung öffentlich und konnte sich über Beteiligung nicht beklagen. Die Karten im Vorverkauf waren bereits nach wenigen Stunden ausverkauft. Der erste Sitzungspräsident war Heinrich Lohmann, der dieses Amt 20 Jahre inne hatte und gleichzeitig immer mit tollen Büttenreden das Publikum begeistern konnte.
Preis-Maskerade am Samstag, Kinderkarneval am Sonntag, Rosenmontag am Montag = die „3 tollen Tage“ von Otter waren komplett. Nach der Rosenmontagssitzung wurde noch kräftig zu den Klängen der Kapelle „Allotria“ bis in den frühen Morgen gefeiert  – unter Schlachtruf „Otter helau“!
25 Jahre waren die 3 tollen Tage von Otter das Highlight , bis – ja bis dann das Fernsehen in den späten 80er Jahren immer mehr Programme brachte, neben ARD, ZDF und Das Dritte konnte der Großteil auch die damals neuen Privatsender empfangen.
So musste zuerst die Maskerade, später dann auch der Rosenmontag, mangels Zuspruch des Publikums eingestellt werden. Die letzte große Sitzung hab es im Jahre 1994, im Jahre des 75stzen Geburtstages des Vereins – und die 30ste Veranstaltung war dann auch die letzte in dieser Art.
Einzig geblieben, und darauf legt der Pfeifenclub besonderen Wert, ist die Kindermaskerade, die auch in Zukunft hochgehalten wird.

Das Pfeife-Rauchen
Pfeife-Rauchen ist ja das Ursprüngliche im Verein, der ja auch seinen Namen daher erhalten hat.

In Fortführung der Tradition von 1919 wurde auch ab 1949 wieder Pfeifen angeschafft – nicht ganz so prunkvoll wie damals, aber schon etwas Besonderes. Nach und nach hatte jedes Mitglied im Verein seine eigene Pfeife, in der auch sein Name eingraviert war. Auch hiervon sieht man noch einige Exemplare in einem Schrank im heutigen Gasthof Gerlach, dem Vereinslokal – übrigens am selben Ort wie 1919.

Während der monatlichen Sitzung und danach wurde in Ruhe die Pfeife geraucht, Bier getrunken und über das Dorf- und Weltgeschehen diskutiert.

Viele Pfeifenrauchvereine in der Umgebung lösten sich im Laufe der Zeit auf. So dachte man lange, in Otter sei der einzige verbleibende Pfeifenclub weit und breit. Dieses sollte sich als Irrtum herausstellen: Durch Zufall las ein Mitglied von einem Rauchverein in Nesselröden bei Duderstadt im Harz und es wurden Kontakte geknüpft. Dieser wiederum kannte den Raucherclub „Brüderschaft Goslar“, der 1970 sein 80jähriges Bestehen feiern wollte. Er lud nicht nur den Pfeifenclub Otter ein, sondern noch weitere ihm bekannte Vereine wie eben Nesselröden, Ofenerfeld, Neuengamme und Westersode. In Goslar wurde das erste „Norddeutsche Wettrauchen“ ausgetragen, in diesem Falle mit Zigarren. Sieger wurde die Mannschaft, die als letztes die Zigarre unter Glut halten konnte. Anschließend wurde gefeiert und man tauschte sich gegenseitig aus. Dabei kam der Gedanke, sich mit dem Pfeifenclub in Westersode (bei Hemmoor) zu treffen und ein Jahr später wurde die erste Norddeutsche Meisterschaft im „Pfeife-Langsam-Rauchen“ durchgeführt. Viele Freundschaften sind über die Jahre entstanden. Die Kontakte wuchsen bis zur Rauchergemeinschaft Untermain, die selbst einmal Ausrichter eines Bundeswettrauchens war.
So war es nicht verwunderlich, dass 1975 im Tostedter Schützenhaus das Bundeswettrauchen durchgeführt wurde – Ausrichter war  der Pfeifenclub Otter mit dem damaligen Vorsitzenden Klaus-Peter Schröder. 140 Raucher und über 400 Gäste hatten sich eingefunden und alle Teilnehmer waren begeistert von der Organisation der Otterer, insbesondere die süddeutschen Teilnehmer schwärmten noch Jahre später, dazu hat unsere schöne Heide-Umgebung sicherlich einiges beigetragen.

Da wie in vielen Fällen irgendwann die Sponsoren weniger wurden – die Ausrichtung kostet für den Veranstalter viel Geld – wurden diese Veranstaltungen im Laufe der Zeit immer weniger, insbesondere der Pfeifenclub Otter hat sich anderweitigen Aktivitäten zugewandt.
Der Tradition verpflichtet führen wir  immer noch eine vereinsinterne Meisterschaft im Pfeife-Langsam-Rauchen durch, die durch den jeweiligen „Tabaksmeister“ organisiert wird. Jedes Jahr im November ist es soweit und während der Monatssitzung wird dieses durchgeführt. Es wurden bereits ein Radio und Fernsehbericht über diese Besonderheit auf NDR ausgestrahlt.
Für alle Nicht-Pfeifen-Raucher machen wir im April jeden Jahres noch eine interne Meisterschaft im Zigarillo-Langsamrauchen.
All dieses findet in gemütlicher Atmosphäre statt, auch wenn das „Nichtraucher-Schutzgesetz“ seit 2007 die Durchführung erschwert und wir dazu in einen speziellen Raum wechseln müssen.

An dieser Stelle muss aber einmal das Vorurteil aus der Welt geschafft werden, dass der Pfeifenclub nur Raucher als Mitglied aufnehmen würde. Ein Großteil der heutigen Mitglieder sind Nichtraucher und nimmt gerade mal zur Meisterschaft eine Pfeife zur Hand. Auch wird seitens der Club- Verantwortlichen keiner zum Rauchen animiert.

Welche Aktivitäten hat der Pfeifenclub im Laufe seines Bestehens noch durchgeführt?

Auf der Generalversammlung 1952 wurde angeregt, eine plattdeutsche Theatergruppe zu gründen. Die plattdeutsche Sprache war von je her auf dem Lande die Umgangssprache. Damals wie heute ist das „Platt“ auch ein Ausdruck von Gemütlichkeit, die Sprache ist allerdings im Laufe der vielen Jahre immer mehr vom Aussterben bedroht.
Zurück zu 1952: Ein gebürtiger Ostpreuße namens Richard Queda war Spielleiter des ersten Theaterstücks „Schooster Plum“. Er kniete sich in das Stück und in die Sprache so hinein, dass gleich die erste Aufführung ein voller Erfolg wurde. So wurde Jahr für Jahr ein neues Stück einstudiert und zur Freude des Publikums aufgeführt. Der Erfolg für den Pfeifenclub war auch der Art, dass einige Otterer  gern mitspielen wollten und allein deswegen in den Pfeifenclub eintraten. Bis weit in die 60er Jahre wurde diese Aktivität durchgeführt.

Als Abwechslung zu den bis 1961 jährlich stattfindenden Ausfahrten wurde angeregt, einen „Bunten Abend“ vereinsintern zu veranstalten. Es gab inzwischen zur Entlastung des Vorstandes einen „Festausschuss“, der auserkoren war, einen solchen Abend zu gestalten. Zur Musik von Hubert Krumbein auf seiner Handharmonika wurde gegessen, getanzt und gelacht. Dieses mag der Beginn einer weiteren – bis zum heutigen Tage – durchführten Traditionsveranstaltung gewesen sein:
der Kameradschaftsabend. Im stetigen Wechsel zu den Ausfahrten feiern wir noch heute alle zwei Jahre unseren Kameradschaftsabend. Zusammen mit unsere Frauen wird nach einem guten Essen in unserem Vereinslokal – heute ist es durch Nachfolgerschaft der „Gasthof Gerlach“ – zur Musik getanzt, kleine Spiele gemacht und eine Kleinigkeit getrunken.

Nach einem kompletten Vorstandswechsel 1963 wurden neue Ideen entwickelt. Mit dem Wechsel war auch eine folgenschwere Satzungsänderung verbunden, dessen Auswirkung allerdings erst viele Jahre später den Verein belasten sollte. Die Änderung besagte, dass jedes Mitglied nur maximal fünf  Jahre im Vorstand tätig sein darf; eine gute Maßnahme, um immer „frische Ideen“ zu haben – zu den Folgen später mehr.
Eine dieser Ideen war, zum Sommeranfang eine “Sonnenwendfeier“ zu veranstalten. Dafür bot sich der alte Schützenplatz auf dem Viehplack in Otter an und es gab Grillwurst und Fassbier. Dieses Fest wurde von den Mitgliedern und den Frauen so gut angenommen, dass dieses dann in jedem Jahr stattfand. Es entwickelte sich auch ein Fußball-Turnier, dass anlässlich dieser Sonnenwendfeier jährlich ausgetragen wurde. Anfangs nur innerhalb des Pfeifenclubs haben später Mannschaften der örtlichen Vereine um den besten Platz gespielt, angefeuert von vielen Otterer Bürgern. Und es entwickelte sich weiter: Aus dem Thema Fußball wurde unser „Spiel in den Grenzen“, abgeleitet von einer damaligen Fernsehreihe, die sogar grenzübergreifend in West-Europa stattfand (Spiel OHNE Grenzen). Verschiedene Mannschaften aus Otter spielten gegeneinander. Häufig waren es Jux-und Wasserspiele, die zur großen Heiterkeit bei den Zuschauern, von jung bis alt, beitrugen. Nach der Siegerehrung wurde am  Lagerfeuer gegrillt, und bei Bier, Brause und Köm feuchtfröhlich in den Sommer hinein gefeiert. Später wurde der Veranstaltungsort auf den heutigen Schützenplatz in Otter verlegt und unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Herbert Busch fand ein Luftballon-Wettfliegen für die Kinder statt. Die Preisverleihung findet seitdem auf dem Kinderkarneval im Februar statt, wenn auch das Luftballonwettfliegen heutzutage beim Osterfeuer in Otter stattfindet.
Es machte sehr viel Arbeit, sich jedes Jahr immer wieder neue Spiele auszudenken, anzufertigen und durchzuführen, sodass die Sonnenwendfeier nach über 30 Jahren eingestellt wurde.
Wer aber inzwischen den Pfeifenclub und seine Mitglieder kennengelernt hat weiß, dass eine gute Sache nicht mal eben fallengelassen wird. Kurzum wurde in den 90er Jahren, ausgelöst durch Betriebsferien unseres Vereinslokals, die sogenannte „Viehplack-Versammlung“ eingeführt. Zurück zu  den Wurzeln sozusagen, denn auf dem Viehplack begann ja mal die Sonnenwendfeier, findet unsere Juli-Monatsversammlung unter freiem Himmel statt, natürlich mit unseren Damen. Und auch hier ist das Lagerfeuer, die Grillwurst und“ Bier und Schluck“ nicht wegzudenken.

Wenn es Kameradschaft, Essen und Trinken ging, so fanden sich immer Mitglieder mit Ideen, wenn auch die Durchführung nicht immer von langer Dauer war. So gab es eine zeit lang „Vatertagstouren“ oder auch das sogenannte „Schinkengrillen“. Zu den Geburtstage und Jubiläum des Vereines ließen sich die Mitglieder auch immer gern etwas einfallen, um Geselligkeit untereinander bzw. mit den Otterer Nicht-Mitgliedern zu pflegen. Damit die Bürger wissen, was und wann die Veranstaltungen im Dorf stattfinden, hat sich bereits in den 70erJahren der Vorstand entschlossen, einen Veranstaltungskalender für Otter zusammenzustellen. Dieser wird auch heute noch kurz vor Weihnachten eines jeden Jahres an alle Haushalte in Otter verteilt.

Vergessen dürfen wir bei den vielen Aktivitäten nicht die Zeit der „Rallye rund um den Otterberg“ . Einige Mitglieder setzen diese Idee in den 70er-Jahren um, sodass viele Teilnehmer jedes Jahr im April mit Ihren PKWs in einem Umkreis von 50 km „um den Otterberg“ den richtigen Weg mittels Zeichnungen und Beschreibungen suchten. Man musste auch aufpassen, dass man die an den Bäumen im Vorwege angebrachten Zahlen in der richtigen Reihenfolge aufschrieb und natürlich auch im richtigen Moment aus der korrekten Fahrtrichtung kommend beim Streckenposten anhielt. Hier ging es nicht um Geschwindigkeit sondern vielmehr um Aufmerksamkeit und Vorsicht. Die Gewinner erhielten nützliche Dinge für das Auto und einen Pokal. Zur Finanzierung wurde damals innerhalb des Vereins die sogenannte „Blaue Dose“ eingeführt. Wer kennt es nicht, wenn das Portemonnaie vor lauter Kleingeld überquillt. In der Blauen Dose konnte sich jedes Mitglied auf den Monatsversammlungen davon befreien und den Verein zusätzlich unterstützen.

Leider wurden die verkehrsbehördlichen Auflagen immer grösser, sodass diese Veranstaltung zum Leidwesen der Mitglieder, aber auch der Teilnehmer, ab 1991 nicht mehr durchgeführt werden konnte. Die Blaue Dose allerdings gibt es immer noch, auch wenn sich die Farbe inzwischen in eine eher goldene verändert hat. Seit über 30 Jahren wandert sie nämlich von Tisch zu Tisch, von Mitglied zu Mitglied. Heute kommt der Inhalt unserem Kinderkarneval zu Gute – der Veranstaltung, die bislang am längsten durchgängig vom Pfeifenclub veranstaltet wird (2010 werden es 50 Jahre!)

In dem Protokoll der Versammlung vom 7. April 1988 ist unter“ Punkt 7) Verschiedenes“ zu lesen, dass ein Mitglied vorschlug, doch mal wieder etwas Neues in Otter zu machen, und zwar „Boßeln“. Die Versammlung wurde anschließend ordnungsgemäß und ohne weitere Diskussion darüber beendet. Noch im selben Jahr wurde, neben den noch laufenden Dingen wie Rallye und Sonnenwendfeier, das erste Mal in Otter geboßelt.  Zwei Mannschaftsführer mit Mannschaften „Links vom Beek“ und „Rechts vom Beek“ (Beek = der kleine Bach durch Otter), zur Halbzeit gab es Erbsensuppe am historischen Schafstall in Riepshof, unterwegs sorgten Pfeifenclub-Mitglieder für flüssige Nahrung – das war 1988. Und heute? Heute ist das „Boßeln rund um den Otterberg“ nicht mehr wegzudenken, weder beim Pfeifenclub selbst als auch bei den Teilnehmern, die inzwischen aus ganz Deutschland kommen, um in Otter dabei zu sein. Mit über 60 teilnehmenden Mannschaften hat sich das Frühjahrsboßeln in Otter zu einer festen Größe entwickelt, dessen Ende bis heute nicht absehbar ist. In einem etwas kleineren Rahmen findet das Herbstboßeln im Oktober statt. Auch über diese Veranstaltungen wurde bereits ein Bericht im NDR-Hörfunk gesendet, die Tagespresse informiert regelmäßig darüber.

Aber es gab auch düstere Seiten im Verein, die fast bis zur Auflösung führen sollten:
Aufgrund der 1963 festgelegten „Fünf-Jahres-Regel“ war es auf der Generalversammlung 1979 – also über 25 Jahre später – faktisch nicht möglich, einen neuen Vorstand zu bilden. Wer wollte, durfte nicht mehr in den Vorstand gewählt werden und andere hatten aus zeitlichen oder anderen Gründen eine Wahl abgelehnt. Was sollte man tun? Den Verein auflösen und das im Jahr des 60jährigen Bestehens? Es wurde die einzig richtige Entscheidung getroffen: Die Versammlung wurde geschlossen und eine neue außerordentliche Versammlung einberufen. In dieser konnte man sich einigen, zunächst die Satzungen wieder dahingehend zu ändern, dass diese Fünf-Jahres-Regelung nicht mehr gilt. Somit war der Weg frei für eine neue Zusammensetzung des Vorstandes. Diese Regelung gilt noch heute, auch wenn es weiterhin nicht einfach ist, Mitglieder für einen Vorstandsposten zu gewinnen.

Zum Thema  „Gewinnen“ fiel dem Pfeifenclub auch etwas ein: Das „Umbüddeln“ ? – wieder etwas aus dem Plattdeutschen. „Büddel“  heißt auf hochdeutsch „Beutel“, und in diesem Beutel befinden sich kleine Kugeln mit Zahlen. Da kommt einem doch gleich die Erinnerung an das Lotto-Spielen – und nichts anderes ist damit auch gemeint. Auch wieder eine Idee, die sich durchgesetzt hat und im Laufe der Zeit gewachsen ist.
Am letzten Versammlungstag im Jahr, der erste Donnerstag im Dezember, war „umbüddeln“ angesagt. Spaß für die Mitglieder zum Jahresende und auch die Chance, einen kleinen Gewinn mit nach Hause zu nehmen, meistens waren es Fleischpreise. Jedes Mitglied bekam eine Karte mit Zahlen und konnte die gezogene Zahl abdecken. Wenn alles abgedeckt wer hatte man(n) gewonnen und die nächste Runde ging los. In den 90er Jahren wurden dann auch die Frauen der Mitglieder eingeladen, sie mussten ja zuweilen auf Ihre Männer während der Versammlungen und der Arbeitsdienste beim Pfeifenclub verzichten.
Es bot sich an, die interne Versammlung dann auf den ersten Freitag im Dezember zu verlegen, da viele den Samstag darauf etwas später angehen lassen konnten. Der Pfeifenclub lud alsbald auch die vereinsfremden Helfer ein, die z.B.  beim Boßeln geholfen haben, die FF Otter zur Absicherung der Strecke nicht zu vergessen. Die Umsetzung einer lang brodelnden Idee konnte denn vom amtierenden 1. Vorsitzenden Bernd Gätjens im Jahr 2001 in die Praxis umgesetzt werden: „Umbüddeln“ nicht nur Vereinsmitglieder sondern für alle Otterer. Die erste Veranstaltung unter dem neuen  Titel „Die Pfeifenclub-Bingo-Show“ fand dann an einem Sonntag  nachmittag im März 2001 statt, der Reinerlös dieser Veranstaltung war für den „Schulverein Otter“ als Spende angedacht. Es erwies sich allerdings als unglücklicher Termin, so dass nur wenige Teilnehmer anwesend waren. Der Pfeifenclub spendete trotz Kassenminus 50,– DM an den Schulverein. Aber „nach dem Bingo ist vor dem Bingo“ und kurzerhand wurde der erste Freitag im März jeden Jahres zum großen Bingo-Abend. Bislang konnte der Pfeifenclub weit über 3000,– € an Institutionen in Otter für Kinder- und Jugendpflege spenden. Erstmals wurde in 2009 die Kinder-Krebs-Initiative in Buchholz finanziell unterstützt.

Der Pfeifenclub „BLAUER DAMPF“ Otter von 1919 hat, wie jeder Verein, immer wieder Nachwuchssorgen – gestern wie heute. Es wird berichtet, dass es früher Versammlungsabende gab, wo gleich „zum gemütlichen Teil“ übergegangen wurde, wenn gerade mal eine Handvoll Mitglieder  zur Versammlung erschien. Es ist aber den jeweiligen Vorständen zu verdanken, dass er durch die Aktivitäten und  durch viele Ideen auch neue Mitglieder anwerben konnte. Der Zeitgeist spielte immer eine große Rolle. Zur Jahrtausendwende wurde das Internet für den Pfeifenclub entdeckt. Wenn die richtigen Menschen zur richtigen Zeit aufeinander treffen, sind die Weichen  für die Zukunft gestellt. So gab der langjährige Vorsitzende Helmut Hilmer, der schon zu Zeiten des plattdeutschen Theaters und des Wettrauchens zu den aktivsten Mitgliedern gehörte, Anfang 2001 das Zepter an den damaligen Vize Bernd Gätjens ab – nicht ohne schon damals erkannt zu haben, dass damit eine andere Zeit, eine jüngere Zeit, aber auch ein Umbruch im Verein bevorsteht.

Der neue Vorstand ab 2001 hatte sich dem Motto verschrieben „Tradition und Zukunft“ und meinte damit die Tradition nicht zu vergessen und den Verein gedanklich und inhaltlich im positiven Sinne zu verändern. Dieses hatten mit Sicherheit viele Vorstände in den vergangenen Jahren zu ihrer jeweiligen Zeit auch gemacht, ansonsten könnte der Verein heute nicht auf 90 Jahre zurückblicken.

Eines der „neumodischen“ Dinge hieß Internet, im Privathaushalt zu der Zeit noch nicht sehr verbreitet. Der Pfeifenclub Otter konnte im Sommer 2001 seine erste Web-Seite veröffentlichen, heute ist die Seite www.pfeifenclub-otter.de vielbesucht, von Mitgliedern ebenso wie von Bürgern, Teilnehmern am Boßeln usw. Durch diese Seiten wurden aber auch die Medien auf den Pfeifenclub aufmerksam, so dass der Pfeifenclub bereits mehrmals in Fernseh-und Radioberichten zum Thema Verein als solches und spezielles wie Rauchen bzw. Boßeln zu sehen und hören war.
Die Struktur der Mitglieder konnte sich seit 2001 verändern, jüngere Menschen fanden den Verein auf einmal interessant (das war ja schon häufig in den vergangenen 90Jahren so). So kann der Pfeifenclub Otter heute auf eine gute Basis der Mitglieder bauen – neue werden natürlich immer gern aufgenommen.

Aber das Mitglied und der Mensch selber stehen auch für den amtierenden Vorstand an erster Stelle, gern gratuliert der Vorstand an besonderen Geburtstagen persönlich mit einem Präsentkorb.

Der amtierende Vorstand im Jahr 2009 möchte an dieser seinen Dank und seine Anerkenntnis aussprechen. Wir sind stolz

  • auf die Gründer unseres Clubs im Jahre 1919
  • auf die Männer, die im April 1949 die Aktivitäten wieder aufgenommen haben
  • auf alle Mitglieder, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten den Verein zu dem gemacht haben, was er heute ist.

Zur 90-Jahr-Feier möchte der Pfeifenclub auch wieder die Tradition mit dem Modernen verbinden. Tradition ist die Sonnenwendfeier mit Fußballspielen, Tradition ist das Lagerfeuer zur Sonnenwende, das bereits seit über 30 Jahren von unseren „Feuermeister“ Paul Stawinoga aktiv betreut wird. Und Tradition ist das Luftballonwettfliegen.

In Bündelung dieser Aktivitäten wird der Pfeifenclub „BLAUER DAMPF“ Otter von 1919 am 4.Juli 2009 ein „Großes Fest für die ganze Familie“ auf dem Schützenplatz in Otter veranstalten.
Es wird um 14.00 h mit einer „Kinderspielwiese“ beginnen, jedes teilnehmende Kind erhält ein Eis gratis vom Verein und eine Überraschungstüte. Währenddessen können sich die Erwachsenen bei Kaffee und Kuchen stärken, der Kuchen wird von den Frauen der Mitglieder selbst gebacken. Es wird im Laufe des Tages aber auch kräftigeres zum Essen und Trinken angeboten.  Eine Torwand und eine Hüpfburg für die Kids werden auch angeboten.
Am Nachmittag wird es einen kleinen Festakt geben, es haben bereits verschiedene Ehrengäste wie der stellvertretende Landrat und MdL Heiner Schönnecke sowie der Samtgemeinde-Bürgermeister Dirk Bostelmann zugesagt. Vier der fünf Mitglieder, die für die Wiederaufnahme der Aktivität im Jahre 1949 verantwortlich sind, werden ebenfalls anwesend sein und um 16:45 h das Startzeichen für ein außerordentliches Luftballonwettfliegen geben.

Um 17.00 h ist der Anpfiff für unser Fußball-Turnier „DER KICK FÜR OTTER“, ein „Human-Kicker-Turnier“. Für diesen Zweck haben Handwerker des Pfeifenclubs ein eigens dafür vorgesehenes Stadion gebaut, die „OttARENA“. Acht Mannschaftsmitglieder werden jeweils an der Stange (man kennt es vom „Tischkicker“ um die meisten Tore kämpfen. Der Pfeifenclub hat dafür 6 Mannschaften örtlicher Vereine und Institutionen eingeladen: Die FF Otter und die Jugendfeuerwehr Otter, den Schützenverein Otter und eine Mannschaft des Spielmannszuges, den Gemeinderat Otter und als Highlight die Damen der Jazztanzgruppe Otter. Alle haben spontan zugesagt und bereiten sich bereits mental auf dieses Turnier vor. In einer Gruppenphase und anschließendem KO-System wird die beste Mannschaft gegen 21.00 h gekürt. Ein Spiel hat jeweils 2 Halbzeiten a 7 Minuten. Es haben sich auch bereits Sponsoren gefunden, mit deren Hilfe das hochwertige Material angeschafft werden konnte.
In guter Pfeifenclub-Tradition kann anschließend am Lagerfeuer die Geselligkeit in vollen Zügen gepflegt werden. Eingeladen sind alle Bürgerinnen und Bürger aus Otter und Umgebung.
Einen besonderen Rückblick in Form einer Bilderschau wird im Schützenhaus in Otter den ganzen Tag durchgehend gezeigt. Hier mag sich der eine oder andere an frühere Zeiten erinnern.

Eine interne Geburtstagsfeier wird der Pfeifenclub auf seinem diesjährigen Kameradschaftsabend im Oktober abhalten, auch hier wird in alter Tradition gegessen, getanzt und an geschwoft.

Der Pfeifenclub Otter wird durch seine Mitglieder, deren Ideenreichtum und die Kraft in der Umsetzung auch die nächsten Jahre aktiv für die Geselligkeit innerhalb des Vereines aber auch für die Bevölkerung keine Angst um sein Fortbestehen haben müssen, wenn sicherlich auch in absehbarer Zeit Wechsel im Vorstand anstehen. „Tradition und Zukunft“ wird weiterhin die Devise bei den Verantwortlichen heißen, in 2009 ist das Motto „90 Jahre Pfeifenclub Otter – Alt sein geht anders“.